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Südafrika - neuer Kontinent

vor 8 Stunden
4 Min. Lesezeit

Kapstadt (Südfrika), 3.8. - 2.10.2026 - Ich bin Marcos Vinicios, komme ursprünglich aus Brasilien, genauer gesagt aus Niterói, Rio de Janeiro, und bin 25 Jahre alt. 2022 trat ich ins Priesterseminar Redemptoris Mater in Rio de Janeiro ein und seit 2023 bin ich im Priesterseminar Redemptoris Mater in Köln.

Mein erster Eindruck von Südafrika, bzw. von Kapstadt, war anfangs von einer gewissen Angst geprägt, weil ich noch nie auf dem afrikanischen Kontinent und noch nie in Südafrika gewesen war. Gleichzeitig hatte ich aber auch Freude und war neugierig auf das Unbekannte, das mich dort erwartete.

Schon bei der Ankunft konnte ich aus dem Flugzeug nicht nur die schönen Berge sehen, sondern auch die große Armut, die sehr unterschiedlichen Wohngegenden und Lebensverhältnisse.

Ich sah viele arbeitslose Menschen auf den Straßen und auch viele Kinder, die dort spielten. Irgendwie fühlte ich mich in der ersten Woche sogar mit Deutschland verbunden, weil das Wetter gar nicht so anders war als der graue Himmel in Deutschland.

Aus der Geschichte weiß man, dass die Menschen in Südafrika sehr unter der Apartheid gelitten haben. Diese Geschichte prägt die Gesellschaft bis heute. Das war auch deutlich zu erkennen: Es gab Orte, an denen hauptsächlich Schwarze Menschen lebten, andere Orte, an denen hauptsächlich Weiße Menschen lebten, und wiederum Orte, in denen Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenlebten. In Südafrika ist dafür auch der aus der Apartheid stammende Begriff „Coloured“ gebräuchlich, der Menschen mit unterschiedlichen familiären und kulturellen Wurzeln bezeichnet. Er wird dort bis heute als Selbstbezeichnung verwendet, ist aber nicht unumstritten. Diese Unterschiede in den Wohngebieten sind teilweise noch heute sichtbar und erinnern an die Folgen der Apartheid.

Obwohl Südafrika eine wunderschöne Landschaft mit Stränden, Bergen und vielem mehr hat, gab es auch viele Orte, die von der Regierung scheinbar vergessen wurden. Dort gab es vermüllte Straßen und sehr einfache Behausungen, die teilweise aus Holz oder Metall gebaut waren. In vielen dieser Gegenden gab es keine Toiletten in den Häusern. Stattdessen standen dort öffentliche Toiletten aus Plastik, die von mehreren Haushalten gemeinsam genutzt wurden.

Auch in der Kirche konnte man Unterschiede erkennen, die teilweise mit der Geschichte des Landes und der Zusammensetzung der Bevölkerung zusammenhingen. In Gegenden mit einer mehrheitlich Schwarzen Bevölkerung gab es Pfarreien, die stark von der Kultur und den Traditionen der dort lebenden Bevölkerung geprägt waren. Das konnte man zum Beispiel an den traditionellen Liedern, den Tänzen und der Kleidung erkennen.

Ich war in einer sogenannten „Coloured Parish“, also einer Pfarrei, in der sich viele Menschen als Coloured verstehen. Dort gab es zugleich eine Vielfalt an Kulturen, Herkunftsgeschichten und Traditionen. Die Pfarrei hatte außerdem eine relativ stabile finanzielle Situation.

Die Diözese befindet sich gerade in einer Zeit des Neuanfangs, da sie im März einen neuen Bischof bekommen hat, den ich bei einer Gelegenheit auch persönlich begrüßen und das Seminar vorstellen durfte.

Ich durfte dort viele schöne, herausfordernde und auch harte Erfahrungen machen und sammeln. Eine meiner ersten Erfahrungen war, dass uns von Anfang an viele Familien den Pfarrer und mich zum Essen eingeladen haben. Das hat mir in dieser Zeit sehr geholfen, weil ich ein sehr extrovertierter Mensch bin und gerne mit anderen Menschen in Kontakt komme.

Vor allem hatte ich dadurch die Gelegenheit, die Familien kennenzulernen, mehr über ihre Schwierigkeiten zu erfahren und ihre Lebensrealität besser zu verstehen. Und natürlich durfte ich dabei auch nicht vergessen, mein Englisch zu üben!

Eine weitere Erfahrung war die Begegnung mit dem Tod. Während dieser Zeit hatten wir in der Pfarrei viele Beerdigungen. Es starben ältere, kranke Menschen, aber auch Menschen, die noch nicht so alt waren und plötzlich gestorben sind. Sogar ein Priester ist in dieser Zeit gestorben. Diese Erfahrungen waren nicht immer leicht, haben mich aber auch geprägt.

Eine weitere wichtige Erfahrung war die Evangelisation. Ich durfte Teil des Teams des Neokatechumenalen Weges sein und bei der Gestaltung der Katechesen und Exerzitien mithelfen. Es war für mich eine große Ehre und Freude, zu sehen, wie sich die Menschen in so kurzer Zeit entwickelt haben und Gott nähergekommen sind.

Außerdem durfte ich das Pastoralzentrum und die Büros renovieren, aufräumen, streichen und neu ordnen. Das war für die Menschen eine Überraschung, weil sie gar nicht damit gerechnet hatten, dass jemand solche Arbeiten übernehmen würde. Sie hatten auch nicht erwartet, dass ein junger Seminarist von so weit weg kommen würde, um etwas für sie und ihre Pfarrei zu tun.

Natürlich durfte ich auch auch etwas Zeit für Besichtigungen und Ausflüge nutzen! Ich konnte die Stadt Kapstadt besichtigen, auf den Table Mountain wandern, das Whale Festival besuchen, an den Strand gehen und typisches Essen genießen.

Es gäbe eigentlich noch viel mehr, was ich hier schreiben könnte, aber der Platz würde nicht ausreichen, um alles zu beschreiben, was ich erlebt habe.

Welche Erfahrungen nehme ich mit nach Deutschland?

Die erste Erfahrung ist die Großherzigkeit – Magnanimitas. Ich möchte lernen, immer ein offenes Herz und offene Ohren für die Menschen zu haben. Während meiner Zeit in Südafrika habe ich gemerkt, dass viele Menschen einfach gesehen und gehört werden möchten. Und wenn es im Rahmen meiner Möglichkeiten liegt, möchte ich versuchen, etwas für sie zu tun.

Die zweite Erfahrung ist die Dankbarkeit.

Ich bin Gott dankbar für meine Berufung. Ich bin dem Priesterseminar Redemptoris Mater, besonders in der Person des Regens, dankbar, der mich auf diese Mission geschickt hat. Ebenso bin ich den Wohltäterinnen und Wohltätern dankbar, die diese Missionszeit durch ihre finanzielle Unterstützung ermöglicht haben.

Außerdem bin ich allen Familien, Priestern und Menschen in Südafrika dankbar, die mich aufgenommen und mir das Gefühl gegeben haben, zu Hause zu sein. Sie haben mich nicht einfach nur wie einen Besucher behandelt, sondern mir einen Platz in ihrem Leben gegeben.

Die dritte und vielleicht wichtigste Erfahrung ist die Hingabe.

Es gibt keine größere Freude, als sich bedingungslos hinzugeben. Durch diese Mission habe ich erneut erfahren, wie schön es ist, sich den Menschen zur Verfügung zu stellen und das, was man hat und ist, mit ihnen zu teilen.

Diese Erfahrungen möchte ich mit nach Deutschland nehmen und versuchen, sie auch in meinem Alltag und auf meinem weiteren Weg zum Priestertum zu leben.



 
 
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