Ecuador - Gegensätze und Überraschungen
Guayaquil (Ecuador), 9.8.-28.9.26 – Mein Name ist Gregor Neuhoff, 28 Jahre alt und gebürtiger Kölner. Seit ich vor drei Jahren in das Priesterseminar Redemptoris Mater Köln eingetreten bin, durfte ich in verschiedene Länder reisen und die jeweiligen Kulturen kennenlernen. In diesem Sommer wartete gar ein neuer Kontinent auf mich: für sieben Wochen durfte ich nach Guayaquil, die größte Stadt Ecuadors. Dort begleitete ich den Pfarrer der Pfarrei St. Elisabeth von Ungarn, welche ich Süden der Stadt liegt.
Was war mein erster Eindruck nach einer 22-stündigen Reise? Hier ist es sehr warm, und sehr schwül! Das dachte ich als erstes beim Verlassen des Flughafens. In den darauffolgenden ersten Tagen dann fiel mir besonders die größere Gelassenheit auf, mit der die Menschen in den Tag hineinlebten. Allem wurde mit einer gewissen Ruhe begegnet, die Personen wirkten nicht so getrieben, wie man es vielleicht aus Europa und besonders aus Deutschland kennt, wo sich so viel um die Arbeit dreht.
Wie sich grundsätzlich die Situation in der Stadt Guayaquil derzeit gestaltet, ist nur schwer zu beantworten: auf der einen Seite werden gigantische neue Hotels gebaut und bilden sich Vororte, in denen wohlhabendere Menschen leben; auf der anderen Seite sind Viertel wie jenes, in dem ich wohnte, in denen sich die Situation seit einigen Jahren verschlechtert: Müll auf der Straße, kriminelle Straßengangs und Bürger, die nachts nicht rausgehen möchten und ihre Straßen mit Toren verriegeln. Natürlich beeinflusst ein solchen Umfeld auch das Leben der Kirche: es ist eine arme Kirche, die stark von der Unterstützung und Bereitschaft der Gemeindemitglieder abhängig ist – und diese auch bekommt! Es ist unglaublich beeindruckend und inspirierend, mit welcher Hingabe die Menschen ihre Zeit für die Kirche und das Gemeindeleben opfern in Form verschiedenster Dienste, die übernommen werden wie: Küster, Musiker, Katechet für Jugendgruppen.
Nun, da ich wieder nach Deutschland zurückgekehrt bin, nehme ich aus Ecuador zum einen mit, dass ein wenig Gelassenheit und Flexibilität sehr wohltuend sein kann; zum anderen nehme ich jedoch auf einer viel wesentlicheren Eben auch Folgendes mit: die Lebensumstände mögen von Land zu Land sehr unterschiedlich sein – überall jedoch suchen die Menschen nach Gott und möchten Jesus in ihrem Leben begegnen. Für mich als Priesteramtskandidat bedeutet das, dass je nach Kontext, in dem ich einmal aktiv sein werde, die Formate und Angebote möglicherweise angepasst werden, das Zentrum jedoch immer Jesus sein muss, da ich den Menschen ansonsten das vorenthalten würde, was sie in der Tiefe suchen.




